
Barfuß im Schnee
Geschrieben am 01.02.2026
Vorwort:
Der Beginn von diesem Text wirkt melancholisch, doch eigentlich geht es um die Verwandlung von Hoffnungslosigkeit zur neu gewonnenen Hoffnung. Gebt dem Text Raum zum Entfalten. Bitte hört nicht mitten in den Abschnitten der Kälte mit dem lesen auf, sondern lasst den Text bis zum Ende auf euch wirken. In diesem Text ist erst die Hoffnungslosigkeit spürbar, aber sie verwandelt sich, bis das Schneeglöckchen inmitten vom schneebedeckten Land erblüht. Der Text ist bewusst verschachtelt und sehr bildhaft geschrieben, da es die Stimmung vertieft und die Dynamik der Emotion klarer hervorhebt. Die Wortwiederholungen setzte ich gezielt ein, um eine Tiefe in einem Thema zu verstärken. Es ist ein Schreibmittel, das ich gezielt einsetze und das nicht zufällig entsteht.
Barfuß im Schnee:
Kalte Schneeflocken fliegen lockerleicht, wenn die Wärme der Kälte weicht und unermüdlich über die weite Landschaft streicht. Eine Frau steht immer am selben Ort, es zieht sie von hier nicht fort. Kälte legt sich wie hauchdünnes Glas auf die unbedeckte Haut ihrer zarten Hände. Sie wandert im gefrorenen Flockenmeer umher, doch findet in den Weiten der schneebedeckten Welt die Sonnenwärme in ihrem Gemüt nicht mehr. „Halt, wo bist du hin?“, flüstert die zitternde Stimme, während der Frostatem bis in ihre Fingerspitzen dringt. Jeder Atemzug fällt im Frostwind schwer, inmitten vom wunderschön glitzernden Flockenmeer. Sie spürt den Kältehauch, der nicht von ihr weicht, bis jeder Zeh den gefrorenen Boden erreicht. Auch der letzte Wärmehauch scheint zwischen den Schneeflocken versunken, die Tränen der Welt sind darin ertrunken. Unbeugsam verweilt ein dunkler Schatten in pulsierenden Pfaden der Erinnerung und doch vertraut sie ihrer inneren Besinnung. Eine Kältewand bedeckt, was ins Unsichtbare verschwand, während zugleich ein neuer Wärmefunke in ihr entstand. Doch sie blickt mit ihrem längst erstarrten Gesicht ins scheinbar farblose Nichts. Ihre Rastlosigkeit zeichnet das vergessene Gesicht, während ein verwundeter Blick das Sehen in der Dunkelheit vergisst. Der auftauende Morgentau wirkt bis ins verdunkelte Land hinein, doch selbst er kann im Eis festgefroren sein. Zarte Knospen brechen in der Last des Schnees nicht ein, denn der grüne Boden kann nur vorübergehend im Schnee bedeckt sein. Eiskristalle verschmelzen im undurchdringlichen Eis, dabei wirkt das umliegende Land eintönig weiß.
Schleichend wandern flüsternde Worte den regungslosen Körper entlang, bis der unscheinbare Wärmehauch die zaghaften Klänge wieder verstand. Nackte Füße schreiten durch den eiskalten Schnee und tun dabei noch immer schmerzhaft weh. Rote Spitzen der Zehen begleiten jeden stummen Schritt, während die Kälte längst zur Gewohnheit geworden ist. Sie zeichnen beim Gehen ein Feuer auf weißen Füßen, die ihre Kälte immer weiter einbüßen. Rhythmische Bewegungen verschlucken die Schritte wie vergessene Worte der Gleichgültigkeit, während die Zeit immer weiter verstreicht. Sie versinkt im tiefen Schnee des Windhauchs, während sie eigentlich wärmende Nähe braucht. Kaum ein Zeh ist mehr zu sehen. Mit jedem Versinken verdichtet sich der einst luftig-leichte Pulverschnee. Plötzlich bleiben ihre Beine stehen, weil sie etwas Besonderes vor sich im Schnee sehen. Starre Schneedecken überziehen das Land, während ein bisschen Grün den Weg durch die Kältewand fand. Ein winziger Funken Frühling wächst inmitten der weißen Welt, sie lächelt, weil ihr das Schneeglöckchen so gut gefällt. Die Landschaft wirkt kahl und leer, doch das kümmert die zarte Blume längst nicht mehr. Zerbrechliche Blütenstängel stoßen unaufhaltsam am kalten Eis an, bis sie einen neuen Zwischenraum erklimmen kann. In der Dunkelheit gefangen, kann das zärtliche Stängelchen scheinbar nicht nach oben gelangen. Die zarte Blüte fühlt sich nicht im dunklen Schnee gefangen, sondern wird zerrend immer weiter an die Oberfläche wandern. Sie wird nicht in Hoffnungslosigkeit verharren, sondern in andauernder Beharrlichkeit stoßender Bewegungen an die sonnendurchflutete Oberfläche gelangen.
Die kalte Spitze der zarten Blüte ist von einer harten Schicht umschlossen, so ist das Schneeglöckchen selbst durch die harte Schneeschicht gebrochen. Von kalter Bedeutungslosigkeit umringt spürt es, wo die hoffnungsvollen Schimmer zu finden sind. Sie erstrahlt in zeitloser Schönheit, ganz gleich wie flüchtig die Zeit an Ort und Stelle verweilt. Ein Lächeln ziert ihr Gesicht, weil diese Blume ein zärtlicher Hoffnungsschimmer für sie ist. Der Frühling kommt ganz gewiss, auch wenn er noch nicht zu sehen ist.
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