
Bildfragment im Zwischenraum
Geschrieben am 18.07.2026
Das unruhige Echo eilender Schritte hallt durch den ruhenden, lichtdurchfluteten Raum, doch in schnellen Bewegungen gefangene Augen bemerkten das Leuchten der Morgensonne kaum. Goldgelbe Schimmerschweife gleiten mühelos über den warmen Holzboden, während mit jeder vergehenden Minute eine schillernde Lichtpoesie verborgene Kraft gewinnt und zugleich nicht nach gebannter Aufmerksamkeit schreit. Das Licht verliert sich im endlosen Tanz, der wie ein verschmolzener Traum durch den Raum wandert und sich nicht im Holzboden verankert. Warum sieht sie den flüssigen Strom aus Goldlicht nicht? Hat die Schönheit des Moments in der Hektik kein Gewicht? Der Schimmer steht für sich allein, selbst ein Lichtermeer, erstrahlend in vollkommener Schönheit, kann nicht im Raum erhaben sein. Ihre hallenden Schritte haben sich im Alltag verirrt, doch die Hingabe hat ihre tragende Strahlkraft noch nicht verwirkt.
Hastend wandert sie, gefangen im Puls der fließenden Zeit, umher, dabei fällt selbst der Uhr an der Wand das Ruhen schwer. Unscheinbar, fast übersehbar, erstrahlt der helle Tag im wandernden Uhrzeigerausschlag. Die Zeit rennt unaufhaltsam voran, auch dann, wenn sie mit ihren schnellen Schritten nicht mehr mithalten kann. Unberührte Blicke schwenken hastig umher, doch inmitten des Lichtermeeres fällt ihnen, gefangen in der Flüchtigkeit des Augenblicks, das Erspüren feinster Farbnuancen sichtlich schwer. In ihren Augen spiegelt sich der verschwundene Glanz einer schnelllebigen Welt, während sie blind an ihren oberflächlichen Werten festhält. Ihre Hände reißen die Glastür schnell auf, doch sehen den langsam öffnenden Winkel der Tür nicht, sodass ihr Gesicht ungebremst auf die Glasscheibe trifft. Strauchelnd verliert sie fast den Halt, doch selbst das Wanken lässt ihre rennenden Füße nicht zur Seite schwanken. Das Glas fängt die Wucht des Aufpralls mit kalter Härte auf, während sich das Gesicht dicht an das Glas drängt und sie dem Aufprall kaum einen Blick schenkt. Ihr unruhiges Gemüt hat sie zur nächsten Türe gelenkt und dabei eine Chance auf Wahrhaftigkeit in Sekunden der Schnelllebigkeit verschenkt.
Im Augenwinkel einer hastenden Bewegung glimmt ein greller Lichtschein entlang einer dunklen Wand. Im Schwung der Bewegung blickt sie es kurz an, bevor es wieder ins Nichts verschwand. Ihre Füße halten einen flüchtigen Moment lang still, während ihr unruhiges Gemüt von Rastlosigkeit getrieben zur Haustüre gelangen will. Echowellen hallen erneut durch den Raum, als sie hinaus ins Freie glitt, sanft schwebend Schritt für Schritt. Sie schwang dicht an ihren Echowellen vorbei, schwebendleicht und scheinbar frei. Ihre Gedanken tragen selbst den flüchtigen Liedschlag fort, fast vergessen scheint der einst so helle Lichtschweif, der verborgen ihr Unterbewusstsein streifte. Weit aufgerissene Arme werden von dünnen Beinen über den Asphalt getragen, ohne das Drängen der zerrinnenden Stunden noch einmal zu hinterfragen. Ihre langen dunklen Haare schwingen im Rhythmus ihrer Bewegungen mit, doch das Ziel ist noch immer ungewiss, da selbst die kleinste Regung sich im Unbehagen gänzlich vergisst. Fassaden zogen, wie längst verschwundene Lichtstrahlen der Vergangenheit, vorbei, während sich ihr Blick im unaufhaltsamen Fließen erneut zur Seite ziehen.
Der Lichtschweif leuchtet heller als zuvor, bis er ihrem Blick plötzlich wieder entgleitet, was sie zum ersten Mal sichtlich irritiert, ohne dass sie sich im Weitergehen verliert. Ihre kraftlosen Beine ruhen still, während der Druck der Schwermut unaufhaltsam vorüberzieht und ihren Füßen wieder neuen Schwung nach vorne gibt. Ein paar Schritte lang denkt sie über den hellen Lichtschweif nach, bevor der Alltag wieder nach ungeteilter Aufmerksamkeit fragt. Schrill klirrende Stimmen wecken Sie aus der Welt der Gedanken, ohne eine klare Antwort zu empfangen. Sie blickt eine Frau an, die vor ihr steht, auch wenn ihre Blicke durch sie hindurchsehen, als würde niemand vor ihr stehen. Ein verwehender Augenblick fragt nicht, wie lange er bleiben darf, ehe er selbst die Beständigkeit verwischt und nicht einmal den einzelnen Wimpernschlag dabei vermisst.
Oh, zerrinnender Wimpernschlag, ich mag deine Flüchtigkeit nicht, selbst wenn daraus die Hoffnung zu mir spricht. Du vergehst, ohne mir zu sagen wohin, sodass ich mich selbst nicht mehr finde, sondern im Windhauch des Lebenshauchs verschwinde. Oh Vergänglichkeit, ich verliere den Verstand, weil man dich einfach nicht festhalten kann. Was hat in einer Welt voll Verfänglichkeit wahrhaft Bestand? Ist das Leben so tragfähig wie feiner Sand?
Glasige Augen schauen die Umrisse des hellen Lichtschweifs länger an, während sie die Form des Lichts ein wenig besser erkennen kann. Tausend Fragen durchweichen ihren erwachenden Verstand, der im verwehenden Sekundentakt einst verschwand und im grellen Licht den Weg zurück in ihre Gedanken fand. Hauchendes Raunen erklingt so grell wie die Lichter der umliegenden Stadt, die im hellen Licht eine schwache Silhouette einer leuchtenden Türe erschaffen. Es erstrahlen geheimnisvolle Lichtwellen, die an den voran gleitenden Beinen zerschellen. Ihr Körper bewegt sich zum Licht hin, als würden sie den Weg zu einer längst vergessenen Schwelle weisen, ohne gezielt auf die Türe zu zeigen.
Text © Deep-feeling / www.deep-feeling.de
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Text geschrieben von Louisa Gutsmann
Bild: Adobe Firefly
