
Die Stadt schwebender Seidentücher
Geschrieben am 10.01.2026
Um ihren angespannten Körper toben leuchtende Lichtspiele. Sie schwingen in der lebendigen Vielfalt eines wahrhaftigen Lebens, doch die verstummte Stimme einer ruhigen Frau möchte allen grauen Schatten lieber entgehen. In ihren schönsten Träumen kann sie einen Ort ganz ohne die zerstörerische Kraft von Wut, Hass und verdunkelnder Trauer sehen. Sie kann in ihren schönsten Träumen der Vorstellung eines in himmlischer Dauerharmonie schwebenden Lebens nicht widerstehen. Ohne kostbare Zeit in störenden Emotionen gefangen zu verschwenden, möchte sie jeden glühenden Funken ihrer Kraft den Schritten hin zu dieser schwebenden Stadt schenken. Die Stadt wurde aus den schönsten Seidentüchern geschaffen, denn durch schwebende Leichtigkeit wurde ein pulsierender Traum erschaffen. Ein Ruf eilt der Stadt, gebaut aus der hellsten Seide voraus. Man erzählt, die Grauschleier der Welt halten es im grellen Schein der sanft im Wind wehenden Stoffe nicht aus. Diese stumme Stadt, geschaffen aus sanftmütigen Bewegungen, verkörpert pure Leichtigkeit, während der Schein von dauerhafter Freude im grauen Alltag verstreicht. Sie weicht allen trüben Gedanken aus, weil sie verblendet vom grellen Licht, an ihre Idealvorstellung von einer immer fröhlichen Welt glaubt. Sofort macht sie sich auf den langen Weg. Hoffnungsvoll glaubt sie daran, dass sie bald am Ort ihrer Träume steht. Sie blickt zu ihrem Liebsten zurück und schenkt ihm in ausschweifenden Gedanken ein bisschen von ihrem Glück. Das ist kein Ende, sondern nur ein neuer Weg in derselben Zeit, während jeder an unterschiedlichen Orten verweilt. Schweigend blickt sie ihn an, während ihr nur in Erinnerungen eine ehrliche Kommunikation gelang. Seufzend spricht sie es in ihren Gedanken aus, doch aus ihrem Mund kommen keine Worte heraus.
Deine Berührung findet meine verborgene Tiefe, auch umgeben vom Nichts, da keine oberflächliche Geste das Fundament unserer Verbindung ist. Der umschmeichelnden Nähe bin ich mir im Zweifel ganz gewiss, auch in der Stille von kosmischem Nichts. Sterne leuchten auch im scheinbar leeren Raum, denn sie sind real, kein unerfüllter Traum. Indem Schleier wie flüchtige Träume durch die Landschaft gleiten, kann mein Herz an deiner Seite verweilen. Wenn du nur wüsstest, dass ich die Fülle der Welt in deiner Nähe spüre, ohne dass ich mich selbst dabei verliere. Gefühle zieren deine reichhaltige Tiefe, indem sie die wertvolle Welt für mich spiegeln. Mehr als bei jedem Menschen zuvor schweben meine Wünsche in große Höhen empor. Vertraue mir Lieblingsmensch, spricht ein leises Flüstern, während es emotionale Distanz kennt und zugleich echte Nähe empfängt. Vergessen scheint die Vielfalt der Traurigkeit im Angesicht der vermeintlich menschlichen Vergänglichkeit. Mut schwebt über mir, doch sie erzählt in einzelnen Gedanken immer von dir. Ich spüre dich, spricht das facettenreiche Gesicht, selbst bei seidig verdeckter Sicht.
Ihre Blicke verweilen einen Moment, dann dreht sie sich schweigend um. Im Schein von hellem Tageslicht wirkt die Welt oft kalt und leer, denn so mancher findet die Verbundenheit zu sich selbst vor Verblendung nicht mehr. Der Anblick seidig schwebender Stoffe ist der Grund, warum sie unermüdlich auf eine Welt ohne diese Furcht hoffte. Geschmeidige Schönheit gleitender Bewegungen schmiegt sich dort elegant in den wehenden Wind, egal wie stark die Böen sind. Die Stadt wurde aus fragilen Tüchern gebaut und hat trotz vieler Gefahren weiter an umhüllende Zuversicht geglaubt. Der Wind strich über ihr wehendes Kleid, als ein Blick lösend über den ersten Schritt in eine neue Welt streift. Ihre Füße schreiten den neuen Weg entlang, freudig und doch in innerer Furcht gefangen. Es fühlt sich nicht wie eine kalte Entfremdung an, weil längst die Illusion in ihren Wahrnehmungen die Oberhand gewann. Bald soll ihr Liebster mit ihr in einer Welt der Vollkommenheit zu Hause sein; in ihren Sehnsüchten sind sie dort längst vereint. Sie baut eine bessere Welt für ihn, doch kann das Wertvolle darin selbst nicht sehen. Entschlossen ergreift er ihre zitternde Hand, nachdem sie tiefe Zufriedenheit in einem Moment der vernebelten Klarheit empfand. Während seine Wärme ihre Hand zärtlich umhüllt, hat ihr starrer Blick bereits die Enge der fesselnden Gefangenheit gespürt. Diese liebevolle Geste kann ihr abwesender Geist nicht mehr empfangen, denn sie ist in Regenbogenfarben ihres Gedankenprismas gefangen. Seine Klarheit spricht laut Worte der Gemeinsamkeit, während sie in ihrem vermeintlich perfekten Alleingang verweilt. Doch er lässt sie nicht alleine umherirren, die abwesenden Blicke können ihn nicht verwirren. Lächelnd verweilt er neben ihren Schritten, wobei er hofft, ihre sanftmütige Nähe in Momenten klangloser Freiheit liebevoll anzutippen.
Zarte Pastelltöne verschwimmen mit einem Hauch Graublau, während sie zum hochstehenden Halbmond im schon dämmernden Abendlicht schaut. Mit jedem weiteren Atemzug des Tages verdunkelt sich das Licht in verstreichender Zeit, während ihre Aufmerksamkeit bei den ungezwungen schwerelos schwebenden Seidentüchern verweilt. Ihr ersehntes Ziel ist schon in Sicht. Freudig löst sich ihr einst so angespanntes Gesicht im Angesicht freier Zuversicht. Die Welt verdunkelt sich im Anblick des wunderschönen Abendlichts, indem die Zuversicht jeden schimmernden Zweifel schwebend verwischt. Selbst die letzten Sonnenstrahlen versammeln sich am Himmelsrand, während der letzte Zweifel mit der Sonne endgültig verschwand. Sie erblickt den lange ersehnten Traumplatz, denn die Fülle aus Seidentüchern erscheint in leuchtend vollendender Pracht. Immer schneller gehen ihre Füße über den harten Asphalt, doch im Schatten der verweilenden Zeit wirkt die greifbare Nähe eiskalt.
Sie versucht, den im Horizont sichtbaren Ort zu erreichen, aber sie kann trotz unermüdlich vorangehender Schritte die Entfernung nicht unterschreiten. Irritierte Blicke erwecken eine große Furcht vor dem Scheitern und erschaffen dabei ein unkontrolliertes Umhergreifen. Gefangen in panischer Angst versuchen ihre Beine immer schneller zu rennen, während die Entfernung sich nicht verändert. Ihr Körper verharrt an Ort und Stelle, dabei überschreitet sie nicht die Illusionsschwelle. Regungslose Augen sind auf tausend in der Ferne schwebende Seidentücher gebannt, dabei sieht sie nicht das umliegende verdorrte Land. Selbst das grüne Gras konnte saftige Lebendigkeit, umgeben von formloser Schönheit, nicht halten. Schwebende Freiheit kann keine tragfähige Umgebung gestalten. Immer schneller werdende Schritte ermüden ihre schmerzenden Beine, denn nur im Schmerz können sie die schwindende Kraft wirklich zeigen. Ihr hetzender Verstand scheint es nicht zu begreifen, sondern möchte immer unermüdlicher die Stadt erreichen. Im Sog sehnsüchtiger Hochgefühle sucht sie nach perfekter Harmonie, doch findet sie in Wirklichkeit nie. Sie kann nur durchscheinendes Glück sehen, ohne die Unerreichbarkeit in Flucht vor Erkenntnis zu verstehen. Kribbelnde Bewegungen entschlafen der starren Taubheit in einer ständig verändernden Landschaft, ohne dass sie die erhoffte Perfektion bis jetzt erreicht hat. In windumwehter Sehnsucht gleitender Minuten schließt sie ihre in der Ferne verweilenden Augen. Der fehlenden Aussicht möchten schweigende Lippen einfach nicht glauben, vielmehr wird sie sich selbst des Augenlichts berauben. Lange Wimpernschläge in schlaflosen Nächten begleiten ihren brennenden Herzenswunsch bei fortschreitender Dunkelheit. Jede Bewegung wird begleitet von einem Funken hoffnungsvoller Heiterkeit. Die Schatten umhüllen ihre geschlossenen Augenlieder, plötzlich findet sie sich vor einer hell erleuchteten Stadt wieder. Schwingende Worte wärmender Nähe erreichen sie an dem Ort gerade nicht, weil sie nicht in der realen Welt Fußspuren in die Landschaft zieht. Überrascht stellt sie fest, dass hier kein Regen fällt, was ihr zunächst sehr gut gefällt. Die strohbedeckten Wegränder beruhigen ihre aufwühlenden Gedanken, dennoch ist sie weiterhin in ihrer Wahrnehmung gefangen. Kaum lebendige grüne Pflanzen zieren diese einzigartige Stadt, die ihr Verstand selbst erschaffen hat. Dürre begleitet das Fehlen von fließenden Flüssen, während ihre starren Augen es nicht erblicken müssen. In der Trockenheit werden die kostbaren Seidentücher nicht ihrer Schwerelosigkeit beraubt, wenn man an gelebte Leichtigkeit glaubt. Da nur in seufzenden Schwüngen, furchendurchzogene Falten Elastizität verlieren, während sie scheinbar in perfekter gleichförmiger Schönheit zu gefrieren.
Sie steht vor dem großen Tor zu einer prachtvollen Stadt, die magisch schwebende Tücher erschaffen hat. Ehrfürchtig erblickt sie die schimmernden Stoffe in unterschiedlichen Farben. Sie wehen hoch oben und in ihrer Vollkommenheit unerreichbar erhaben. Geschmeidig gleitend formen Sie eine Stadt im leichten Wind, dort, wo sie in der Bewegung zu Hause sind. Im staubigen Nebel breiten sich überschwänglich schwingende Armbewegungen in der Stadt aus. Dieser Ort wirkt unerwartet vertraut. Ihre Füße betreten den Sehnsuchtsort, nichts bringt sie von hier mehr fort. Ihre Blicke wandern in zielloser Gelassenheit von Haus zu Haus. Doch hat sie wirklich dem Pfad zu ihrem inneren Glück vertraut? Starr streifen ihre Füße durch die Einöde mit immer gleichen Farben an immer wohltemperierten Tagen. Noch spürt sie es nicht, doch nach der Berührung von ihrem Liebsten seht sie sich. Sehnsüchtige Blicke versuchen, einen Tropfen Wasser aufzuspüren, um das glänzende Leuchten ihrer einst oft nassen Haut im Sonnenlicht zu berühren. Sie möchte mit der Schönheit vom schimmernden Nass aus dem Wasser gehen, um die glänzende Hautschicht einzelner Lichtreflexe zu sehen. Wehmütig denkt sie daran, wie samtig weich selbst die ungezügelte Welle sein kann.
Sie hat sich im staubigen Land der schwebenden Seidentücher verirrt, denn in der fehlerfreien Leichtigkeit scheint ihr unruhiges Gemüt zunehmend verwirrt. Weit und breit ist kein Wassertropfen zu sehen, suchend möchte sie immer weiter durch die Stadt gehen. Selbst die Häuser werden von lockerleichten Tüchern getragen, ohne die Standfestigkeit von einem Seidentuchhaus zu hinterfragen. Sie werden nie nass bei dauerhaftem Sonnenschein, doch die Tragfähigkeit kann im schwebend leichten Verwehen nicht beständig sein. Feste Ziegel sind an diesem Ort immer lockerleicht, sie schweben, während ihre Form im Schwung erhalten bleibt. Doch, woran nur lehnt man sich an, wenn alles immer nur leicht schweben kann? Ihre zarten Finger berühren zaghaft die fragile Wand, die ihre Form trotz seidigem Stoff irgendwie beibehalten kann. Entschlossen tippt sie mit ihren Fingerspitzen in die Stoffwand, während ihre Hand in den Tiefen der Struktur verschwand. Die schmale Hand war schon bald nicht mehr zu sehen, da begann sie, etwas Wertvolles zu verstehen. Eine Fülle an Stoffen umschlingt in schleierhaften Bewegungen unaufhaltsam ihren unruhiger werdenden Arm, kurz nachdem sie in freudiger Schwerelosigkeit verharrten. Irritiert versucht sie, sich zu befreien, um wieder vollkommen unbeschwert in ihren Bewegungen zu sein. Suchende Hände tasten im Raum umher, denn etwas Bestimmtes zu finden, fällt im verwirrenden Seidenmeer umherirrender Tücher unerträglich schwer. Verzweifelt sucht sie nach beschwerendem Wasser. Ihr ruheloser Geist erkennt, durch Nässe wirkt unkontrolliertes Schweben deutlich gefasster. Ein beschwertes Tuch verdeckt nicht die Sicht und hält zugleich deutlich mehr Gewicht. Es formt einen tragfähigen Stoff, der durch trocknende Sonnenstrahlen auf baldige Leichtigkeit hofft.
Fahle, leere Augen blicken zunehmend voller Lustlosigkeit die schwebende Leichtigkeit an und doch ist ihre Freude im Schmerz der Eintönigkeit gefangen. Ahnungslose Stille im scheinbar bedeutungslosen Moment hat ihr in Wahrheit innere Einsamkeit geschenkt. In einem seltenen, achtsamen Moment hat eine hauchzarte Berührung ihr unerwartet wieder Hoffnung geschenkt, während sie zögerlich dabei ihren Blick senkt. Sie konnte nicht einfach weitergehen, sondern musste sich jeden Tag beim vermeintlichen Scheitern selbst zusehen. Geblendete Augen wollten nur die Umrisse des Schattens betrachten, während sie zeitgleich die Helligkeit der Sonne verachten. Verstummte Gleichgültigkeit übernimmt, umgeben von Schleierwolken, die Sicht und berührt zugleich intensiv geschwungene Gefühle der vergessenen Zuversicht. Sie erschreckt, als die unerwartete Berührung ihre Hand umschmeichelt und dabei liebevoll streichelt. Etwas hat sie an der Hand berührt und ihr Gefühl hat es deutlich gespürt. Sie blickt ihn an und merkt auch im schleierbedeckten Nebel, dass er noch an ihrer Seite ist. Sie formt schweigende Worte an ihn, doch er kann nur ihre liebevolle Reaktion mit seinen Augen sehen.
Verschwimm mit mir, gleitende Wellen wärmender Nähe. Betrachte im nebelbedeckten Schleier die Wunden meiner verletzten Hoffnung nicht, spricht ein Schmerz, der die Wunde nicht vergisst. Es ist eine Flucht vor der Erkenntnis, dass ein Ideal nicht erreichbar ist, weil es etwas Kostbares vollkommen vergisst. Immer stärker wird das wärmende Feuer einer fast vergessenen Schwingung, denn es entflammt eine gegenseitig wärmende tiefe Verbindung. Liebevoll umschmeichelnde Hände streicheln ihre empfindsame Haut, da sie ihrer Wahrnehmung wieder mehr vertraut. In Furcht gefangen konnte sie die Nähe seiner Arme nicht spüren, doch er hat nie aufgehört, ihre Hände zärtlich zu berühren. Diese Nähe hat sie auch in einer Zeit der nebelbedeckten Sicht berührt, doch erst jetzt hat sie seine Begleitung endlich wieder gespürt. Im fast fehlenden Tageslicht keimt eine ganz neue Sicht.
Wie konntest du mich lieben, noch bevor ich mich selbst sehen? Fragt sie sich und blickt zugleich liebevoll in sein lächelndes Gesicht. Die pulsierende Innigkeit hat eine verdeckte Tiefe gesehen, während die Augen blind vor nebelbedeckter Verblendung umhergehen. Sie wanderten in der Verlorenheit kaum sichtbarer Weiten einer gleichförmigen Welt, die jeder kennt und doch keinem wirklich gefällt. „Komm mit mir“, spricht eine zaghaft wispernde Stimme, denn sie möchten wieder lebendige Wahrhaftigkeit leben, anstatt dürre Trockenheit in der Stille zu erleben.
Text © Deep-feeling / www.deep-feeling.de
Alle Rechte vorbehalten !
