Die Uhr des Lebens

Still und leise steht sie da, denkt, sie wirkt auf manche Menschen wie unsichtbar. Es scheint, andere Menschen bemerken sie kaum, sie hat aufgehört, daran zu glauben. Ihre Blicke kreisen unaufmerksam im Raum, dabei traut sie ihren Augen kaum. Zuerst bemerkt sie nicht, dass jemand den Raum betritt. Dann hört sie Schritt für Schritt, wie jemand näher an sie herantritt. Verwundert stellt sie fest, die Blicke zwischen ihr und einem Mann treffen sich. Sie hat ihn schon oft bemerkt. So gerne hätte sie ihn besser kennengelernt. Doch sie sprach ihn nie an, sie denkt, fast unsichtbar für ihn zu sein. Dabei merkt sie nicht, dass es nur ihre eigene Wahrnehmung ist. Er kommt auf sie zu. Sie glaubt nicht, dass er gerade so nah bei ihr ist. Wie sie sich verhalten soll, weiß sie nicht. Aus Unsicherheit wendet sie ihren Blick ab, obwohl sie ihn eigentlich wirklich gerne mag. Er lächelt sie an, während sie seine Blicke nicht erwidern kann. Sie hört, wie seine Schritte weiter in ihre Richtung gehen. Als das Geräusch der Schritte erlischt, weiß sie, dass er direkt vor ihr ist. Zwei neugierige Augen blicken sie an. So gerne möchte sie seine Blicke erwidern, um das Interesse von ihm in ihrem Blick zu spiegeln. Eine Stimme erklingt und er fragt, ob sie ihn morgen Abend zum Essen treffen mag. Sie glaubt nicht daran, dass er sie wirklich ehrlich lieben kann. Gefangen in ihrer fehlenden Zuversicht hört er, wie „Nein lieber nicht!“ aus ihrem Mund spricht.

Still und leise steht sie da, weiß noch immer nicht, was genau gerade mit ihr geschah. Sie ist sich bewusst, dass eine wundervolle Chance auf Glück vergangen ist. Ein Teil von ihr versucht es zu verstehen, ein weiterer möchte nicht mehr hinsehen, um den Gefühlen der vergangenen Chance zu entgehen. Unsichtbarkeit aus Angst entstanden, so viele Chancen auf Glück sind ihr dabei entgangen. Nun steht sie reglos da, dabei ist der Wunsch auf Nähe in ihr so greifbar. Dann fragt sie sich, wann endlich traue ich mich? Sie hat das Gefühl, ihre Wünsche werden nicht gesehen. Dabei kann sie ihre Chancen selbst nicht als solche verstehen. Sie versteht nicht, ohne Mut erfüllen sich ihre Träume nicht. Sie möchte ihm nachgehen, doch die Angst in ihr verhindert es. Traurig muss sie zusehen, wie er den Raum wieder verlässt. Auch wenn es sie sehr verletzt. Ihre vermeintliche Unzulänglichkeit konnte sie nicht überwinden. Jetzt muss sie eine neue Chance auf Glück finden. Die Sanduhr des vergeht, während ihr aus Angst viele Chancen auf schöne Momente entgehen. Die Zeit verstreicht auch dann, wenn sie der Zeit nur beim Vergehen zusehen kann. Aus Angst geborene Untätigkeit, die das mögliche Glück und die Fähigkeit, es zu ergreifen, entzweit.

Traurig denkt sie darüber nach, was ihr alles entgangen ist. Zaghaft tragen ihre Füße sich zur Tür, in jedem zögerlichen Schritt spürt sie, wie sie immer unsicherer wird. Aber es ist die Sehnsucht nach dem Leben, die sie wieder verspürt. Sie denkt an ihn und möchte ihm nachgehen. Ihre Zaghaftigkeit kann sie manchmal selbst nicht verstehen. Ihre Finger umschließen den Griff der Tür, der zur Erfüllung ihrer Sehnsucht führt. Sie hält ihn fest, während sie doch nicht den Raum verlässt. Die Angst überdeckt den Wunsch, zu ihm zu gehen. Sie fürchtet sich vor der Verbindung, die daraus entsteht. Sie hat Angst, dass jemand ihre Gefühle verletzt. All die Zweifel hindern sie daran, dass sie Chancen ergreifen kann.


 

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