Perlmuttfluss

Geschrieben am 21.04.2026

 

Nebeltropfen berühren sich, doch erkennen im dichten Nebel die Frühlingsluft nicht.  Gedanken versinken im dichten Weiß, während das Verschwinden geistiger Klarheit selbst die Leere des Nebels zerreißt. Beklemmende Schwere drückt ungehindert auf die leicht flackernde Nebelwand. Dabei sammelt sich erdrückende Enge im Körper weiter an, bis irgendwann der starke Druck den verbliebenen Raum verschlang. Risse durchziehen einst sorgenfreie Schwünge, da plagende Gedanken ihre Leichtigkeit hemmen und ihren Beinen im Sog der Sorgen nur noch starres Verharren kennen.  Sie betrachtet ihren unscheinbaren Körper, der zu klein geworden ist, selbst die kleinste Bewegung schafft sie in der Enge nicht.

 

Es gibt keine Richtung mehr, nur das Halten von unsichtbaren Wänden, die im engen Bewegungsraum keine innere Ruhe mehr schenken.  Einen Namen braucht sie für ihr Gefühl nicht, auch ohne Wort erhöht der Druck ihr inneres Gewicht.  Die Haut trägt in der Wiege des Schmerzes das hohe Gewicht nicht. Sie verschiebt es bis in die dunkelste Tiefe, in der Hoffnung, dass es längst im Unsichtbaren versiegte. Dort, wo nichts entscheidet, ob es verdeckter Schmerz oder Abwesenheit ist, versiegt das letzte Licht im bewusst gewählten Verzicht. Verschwunden ist der drückende Nebel jedoch nicht, geschlossene Augen finden im Grau keine Sicht.  Jeder Atemzug wird zum leisen Brechen eines willkürlichen Geschehens, um durchschimmerndes Sonnenlicht in der blickdichten Nebelwand zu sehen. 

 

Die Stille ist nicht leer und doch unerträglich schwer. Sie ist gefüllt mit dem, was keinen Ausgang kennt und ein jeder von uns verborgen sein eigen nennt. Gedanken reiben aneinander, ohne sich wie Nebeltropfen zu verbinden. Wie soll die Klarheit nur den Weg durch schwere Nebelgewichte finden?  Sie wiegt umher wie Hände im Dunkel, nur bestehend aus undurchsichtigem Weiß, das trotz heller Reinheit keine schnelle Lösung verheißt und doch nicht weiß, was Zukunft heißt. Es gibt keinen Anfang, der sich erinnern lässt, und kein Ende, das die Wahrhaftigkeit verlässt.  Im Dunst gelebte Zuversicht klärt den Schleier fehlender Sicht, wenn ein inneres Licht spricht. Doch was, wenn das Gewicht unerträglicher Fragen uns keine Richtungen mehr sagt? Irgendwo entsteht eine Ruhe der Zuversicht, die nicht nur ein stummer Wille ist, vielmehr ein Kompass bestehend aus dem inneren Licht: Dennoch fragt sie sich: "Überwältigt der Druck mich?"  Als hätte der Körper beschlossen, sich selbst nicht mehr zu verlassen, hat ihr Blick längst den umschließenden Nebel der Gedanken hinter sich gelassen.

 

Text © Deep-feeling / www.deep-feeling.de
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