Perspektivwechsel in emotionalen Momenten
 

Heute möchte ich ein wenig über den Perspektivwechsel in schwierigen, emotional sehr aufgeladenen Situationen mit euch sprechen. Mir ist es wichtig, meine Gedanken zu teilen, da scheinbar viele Menschen Reaktionen in emotionsgeladene Situationen missinterpretieren. Die Dynamik in solchen Situationen und die darauffolgende Reaktion wird oft nicht verstanden. All diese Schilderungen beruhen auf meinen eigenen Beobachtungen und manchmal nicht aufhören wollenden Gedanken über Menschen, die Gesellschaft und andere tiefgreifende Themen.

 

Wisst ihr, oft merke ich, wie anspruchsvoll die Erwartungen an mich selbst sind. Besonders im sozialen Bereich wird mir das immer wieder bewusst. Es gibt Situationen, in denen ich so stark meine eigenen Emotionen spüre, dass diese meine sonst stark vorhandene Fähigkeit zum Perspektivwechsel mindern. Es kommt nicht oft vor, sondern immer dann, wenn mir etwas oder jemand besonders wichtig ist. Diese Momente sind nur von kurzer Dauer und wahrscheinlich kennen viele Menschen solche Situationen. Meistens spreche ich in diesen Minuten meine Gedanken und Gefühle sehr offen und direkt an. Besonders bei sensiblen Menschen kann das zu emotionalen Verletzungen führen, was wiederum eine sehr emotionale Gegenreaktion auslöst. Dass es nicht sinnvoll ist, Emotionen auf schonungslos ehrliche Art anzusprechen, ist mir normalerweise bewusst. Meistens kann ich wahrnehmen, wie die andere Person sich dabei fühlt und passe die Art, wie ich kommuniziere, aus diesem Grund an. In besonders emotionalen Momenten, wenn mich ein Gefühl überwältigt, gelingt mir das manchmal nicht sonst. Da es selten vorkommt, ist das eigentlich nichts Schlimmes. Wäre da nicht ein Teil von mir, der sich sofort schlecht fühlt. Generell ist es etwas Positives, wenn man sich nach einem falschen Verhalten nicht gut fühlt, denn es bedeutet, dass man seine eigenen falschen Verhaltensweisen verstehen und die Wirkung auf andere wahrnehmen kann. Ist dieses Hinterfragen der eigenen Verhaltensweisen zu intensiv ausgeprägt, kann es auch belastend sein. Wenn mir das einmal passiert, plagen mich Gedanken „Du weißt es eigentlich besser“. Man könnte sagen, kein Mensch ist so gut darin, mir im Weg zu stehen, wie ich selbst. Wir alle sind nicht perfekt und sollten versuchen, nicht so streng mit uns zu sein. Es ist gut, viel zwischenmenschlich wahrzunehmen, allerdings darf es nicht dazu führen, dass wir selbst zu kritisch mit den eigenen Fehlern umgehen. Starke Gefühlsäußerungen sollen uns eher dazu motivieren, den inneren Schmerz, der dieser Reaktion zugrunde liegt, zu überwinden. Oft genügt eine kleine Veränderung in der Sichtweise, damit wir neue Möglichkeiten erkennen und emotionale Blockaden lösen können.

 

Vor einiger Zeit hat eine Person davon erzählt, dass manche Menschen eine sehr ausgeprägte Registrierkasse in ihrem Inneren tragen. Die Schilderungen fand ich natürlich sehr witzig und zugleich kamen sie mir sofort bekannt vor. In diesem Moment habe ich erkannt, dass ich wahrscheinlich auch eine sehr ausgeprägte innere Registrierkasse in mir trage. Aber heutzutage sind wir ja zum Glück moderner und somit funktionieren die Kassen meistens elektronisch. An dieser Stelle möchte ich euch erklären, was diese Person damit gemeint hat. 😉

 

Die „innere Registrierkasse“ war natürlich auf die Wahrnehmung bezogen und ist ein metaphorischer Begriff. Es sollte verdeutlichen, wie intensiv Menschen Informationen, Erfahrungen und Eindrücke verarbeiten, wahrnehmen und speichern können. Diese innere Verarbeitung beeinflusst, wie wir die Welt wahrnehmen und darauf reagieren. Unser Gehirn nimmt ständig Reize aus der Umwelt auf und filtert diese. Nur ein Bruchteil wird bewusst wahrgenommen. Die „innere Registrierkasse“ sortiert und bewertet die Informationen, wobei bestimmte Aspekte stärker gewichtet und andere ignoriert werden. Emotionen sind sehr stark mit unserer Wahrnehmung verbunden. Die „innere Registrierkasse“ spielt somit eine große Rolle bei der Bewertung von zwischenmenschlichen Situationen. Sie beeinflusst, ob wir Situationen als positiv, negativ oder neutral bewerten. Diese Bewertung beeinflusst unterbewusst unsere emotionalen Reaktionen. Mit einer sehr stark ausgeprägten „Registrierkasse“ nimmt man somit mehr äußere Reize wahr. Durch die größere Vielfalt an Eindrücken jeglicher Art reagiert man sensibler. 

 

Jeder Mensch mit einem so ausgeprägten inneren System solle die „innere Registrierkasse“ zwischendurch auch in wenigen Momenten abschalten. Das hilft dabei Eindrücke, die intensiv wahrgenommen werden, zu verarbeiten. Leider ist das leichter gesagt als getan. Besonders in Situationen, die uns sehr stark emotional berühren, kann das eine kurze Zeit lang eine Herausforderung sein. Jeder Mensch hat eine einzigartige „innere Registrierkasse", die auf seinen Erfahrungen, Überzeugungen und Emotionen basiert. Aus diesem Grund sollen wir die Handlungen von Personen öfter von deren Sichtweise betrachten. Wenn es uns einmal nicht gelingt, dann ist das vollkommen in Ordnung. Wir alle sind nicht perfekt. Wichtig ist, dass man sich seiner eigenen Verhaltensweisen bewusst wird und diese positiv verändern kann. Allerdings darf das nicht dazu führen, dass wir zu viel von uns selbst erwarten. Wir alle sollten geduldig mit unserer Unperfektheit und unseren Fehlern umgehen.

 

Die Reaktion in einem vor längerer Zeit geführten Gespräch ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es war eine Gesprächsrunde mit insgesamt 3 Personen. Ich möchte auch davon erzählen. Das Gespräch, das ich mit Person 1 geführt habe, war sehr emotional. Mein Gefühlszustand war aufgrund vorangegangener stark negativer Äußerung einer dritten beteiligten Person (Person 2) stark aufgewühlt. Die Äußerungen dieser Person 2 haben mich sehr verletzt. Da ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe, waren meine Emotionen für mich sehr stark spürbar. Der damit verbundene Unmut hat die Fähigkeit, die Hintergründe von Person 2 zu verstehen, für ein paar sehr wenige Augenblicke gemindert. Mir saß Person 1 gegenüber, die mir mit ihrer Reaktion sehr geholfen hat. Sie sagte zu mir „Du bist gerade sehr in deiner eigenen Wahrnehmung. „Versuche, den Blickwinkel zu drehen.“ Sie formulierte es in keiner Weise negativ oder vorwurfsvoll. Durch diese offene, ehrliche und neutrale Kommunikation konnte ich meine eigene Wahrnehmung schnell hinterfragen und die damit verbundene Minderung des Perspektivwechsels überwinden. Sie hat anschließend noch Details genannt, die ich an dieser Stelle nicht wiedergebe. Anstatt Vorwurfsvoll auf emotionale Raktionen zu regieren hat sie mir beim Perspektivwechsel geholfen. Wenn ihr in einer ähnlichen Situation seid, versucht, verständnisvoll mit einer emotional aufgeladenen Person umzugehen. Ein nicht vorwurfsvolles, ehrliches Erklären der zugrunde liegenden Hintergründe kann eine solche Situation besser auflösen. Wenn mit ebenso emotional aufgeladenen Gefühlen reagiert wird, eskalieren solche Situationen viel schneller. Das Resultat ist für niemanden nützlich, sondern verschlimmert Situationen.

 

Ihr könnt sehen, meine innere Registrierkasse kann sehr feine zwischenmenschliche Muster wahrnehmen. Es bereitet mir große Freude, meine Wahrnehmungen mit anderen zu teilen. Leider reagieren die meisten Menschen nicht interessiert darauf, wenn ich beginne, mit ihnen über solche Themen zu sprechen. Wahrscheinlich machen sich die wenigsten Menschen über solche Themen Gedanken. Wenn man die eigene Haltung zu einem Thema nicht kennt, kann man die Sichtweise auch nicht mit anderen teilen. Genau das ist der Grund, warum ich diese Kategorie „Gedanken und offene Worte“ auf meiner Webseite ins Leben gerufen habe. Viele Menschen haben kein Interesse an zwischenmenschlichen Themen, was vollkommen in Ordnung ist. Mir fehlt es sehr, mich mit anderen Menschen direkt über meine Wahrnehmungen auszutauschen. Es wäre schön, die Eindrücke von anderen Menschen erzählt zu bekommen.  Also möchte ich an dieser Stelle jeden motivieren, mir seine Gedanken mitzuteilen. Auf diese Weise kann man voneinander lernen. Zu tiefgehenden Gesprächen bin ich immer gerne bereit

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