Rubinrote Blütenranken

Geschrieben am 14.12.2025
 

Vorwort: 

 

In dem Text geht es um die Hüterin einer einzigartigen Blume, die sich voll und ganz dem Schutz dieser kostbaren Blüte verschrieben hat. Sie sieht die einzigartige Schönheit, aber vergisst dabei ihre eigenen Bedürfnisse. Eines Tages tanzt sie durch den schön geschmückten Raum und entdeckt die Haustür, die nach draußen führt. Zuerst möchte sie nach draußen gehen, um die Welt jenseits dieses Raumes zu erkunden, doch dann spürt sie erneut die Pflicht, sich um die Blume zu kümmern. Diese Blume kann scheinbar nur in diesem Raum gedeihen. Also beschließt sie, zuerst bei der Blume zu bleiben. Nicht aus eigenem Wunsch, sondern aus einem tiefen Pflichtgefühl heraus. Doch ihre Blicke wandern immer wieder sehnsuchtsvoll zur Türe hinüber. Eines Tages kann sie den Wunsch nicht mehr zurückhalten und beschließt, die Türe nach draußen zu öffnen. Als sie das Tor zur Außenwelt betritt, passiert etwas für sie Unvorhersehbares. Die gemusterten Linien breiten sich um ihren Körper herum aus und wandern von dort in die weite Welt hinaus. Sie bemerkt erst jetzt, dass nicht die Blume den Raum mit diesem leuchtenden Muster geschmückt hat, sondern es in Wirklichkeit sie selbst war. In dem Text geht es um selbsterlegte Verantwortung, die manchmal freie Entfaltung verhindern kann. Er soll zeigen, dass man diesen selbst auferlegten Fesseln entschwinden kann.  

 

Rubinrote Blütenranken:

 

Wurzeln rankten am kalten Fliesenboden entlang, während gemusterte Blütenblätter sich um die Äste der Pflanze schlang. Das kleine Haus ist mit verschiedenen Pflanzen bedeckt. Hinter verschlossenen Wänden haben sie sich vor der Welt versteckt. Eine besonders einfühlsame Frau kümmert sich liebevoll um die bedürftigen Ranken, sie vergisst dabei ihre eigenen Gedanken. Langes, dünnes Haar ziert ihre zarte Haut, während sie ihr Leben lang an die Wichtigkeit wachsender Bedürfnisse glaubt. Sie hat ihre ganze Kraft in die Pflege einer kostbaren Pflanze gesteckt, doch die Leere ihres eigenen Herzens nicht entdeckt. Die Hüterin der rubinglänzenden Blütenranken ist tief versunken in pflegende Gedanken.   

 

In liebevoll schwingender Zuneigung kann sie erfüllende Freude spüren, indem ihre Fußspitzen fast schwebend den Boden berühren. Glück durchströmt ihr lebendiges Gemüt in der sanft gedimmten Abendglut. Ein behutsames Flüstern hauchender Frühlingsluft vereint Schwünge mit dem Atem von hereinströmendem Sommerduft. Ihre weich abgerundete Stilette durchzieht den Raum, zart streichelnd, während ein sinnliches Flirren jede ihrer Bewegungen umschmeichelt. Sie streift in den langen, schmalen Gängen aufmerksam umher. Schwebende Leichtigkeit geschwungen tanzender Schritte fiel ihr nicht schwer. Das pflanzenbedeckte Haus ist für die zarte Frau ein besonderer Ort, deswegen geht sie von hier nie fort. Ein federleichter Stoff bedeckt ihre gepflegte Haut, während ihr Blick auf tanzend wehende Blätter im Wohnzimmer schaut. Im leicht schwelgenden Windhauch gleitender Strömungen wirkt die Fremde wie nach innen gerichtete Verwehungen. Sie spürt die unausweichliche Kraft innerer Begegnungen.  

Schwebende Nähe verschwimmt im Schwung aneinanderreihender Pirouetten. Gelebte Unbeschwertheit möchte so mancher vor der Schwere dunkel hereinströmender Momente retten. Vom Atemhauch hereingleitender Luft wird sie an der Türe vorbeigetragen, zuerst möchte sie keinen Blick nach draußen wagen. Doch entgleitende Blicke schwelgen ihren Schritten hinfort an einen ihr noch immer unbekannten Ort. Zögerlich scheint etwas auf den Weg nach draußen zu warten, denn gedanklich tanzt sie bereits im sonnendurchfluteten Garten. Lange sah sie kein golddurchwebtes Lichtermeer. Nicht an die Sehnsucht zu denken, fällt ihr sichtlich schwer. Schwebend wurden anmutig gleitende Füße im Wind der luftumschmeichelnden Leichtigkeit wieder an der Haustür vorbeigetragen, begleitet von all ihren unbeantworteten Fragen. Voller Anmut bewegt sie sich, doch dann ändert sich ihr schwebend dahingleitendes Gesicht. Plötzlich bleibt sie stehen und kann die hölzerne Türe direkt vor ihren Augen sehen. Nachdenklich fragt sie sich: „Soll ich nach draußen gehen oder nicht?“ . 

 

Schweigende Lautlosigkeit hat ein sorgloses Gemüt gestreift, noch bevor ihr Verstand es vollumfänglich begreift. Erstarrte Anmut bewegt sich durch regungslos verstummte Schwünge. Vergangen sind die freudig drehenden Sprünge. Mitten im Schwung erstarrt ihr Drehen, denn gebannte Blicke können nur noch die Türe ansehen. Die Leichtigkeit verliert ihren Schwung mitten im angesetzten Pirouettensprung. In diesem Moment kann ihr einst frei schwingender Geist unbewusste Muster verstehen, ohne dass ihre Augen es wirklich sehen. In ruhenden Momenten kann sie vergessene Verantwortung lenken und sie scheint ihr unerwartet wieder Aufmerksamkeit zu schenken. Gebannt in starren Gefühlen blickt sie die Haustür unaufhörlich an, bevor ihr Blick im Boden verschwand. Ihre Gedanken wandern in die Weiten des Wohnzimmers hinein, denn eine besonders kunstvoll geschmückte Blume kann nur dort zu Hause sein. Sie gedeiht nur gemeinsam mit einem durch die Zeit wandernden Lichtschein. Trotz vergehender Zeit scheint er unaufhörlich in den lichtdurchfluteten Raum hinein. Es ist ein Zimmer mit einem einzigartigen rubinroten Schimmer. Dessen Wände können das lebendige Echo der Sehnsucht nach der Welt tragen, ohne es konkret zu erfragen. Ihr Pflichtbewusstsein kann den sanften Kuss mit der Wirklichkeit nicht wagen, und doch werden ihre schwingenden Füße sie sehnsuchtsvoll immer wieder in Richtung der Türe tragen.   

In grazilem Glanz verweilte sie eingebettet in lebendig schimmerndem Grün, das schon lange Zeit fest verwebt mit dem Mosaikmuster der Blätter schien. Ihre hauchdünnen Blütenblätter ziert ein Flaum aus weichem Haar. Zarte Berührungen machen ihr ihre Gefühle in den tanzenden Bewegungen gewahr. Ein zartes Schimmergeflecht aus fein rotenglänzenden Lebensadern wandert still, da ein besonderes Blattmuster sich im kompletten Raum ausbreiten will. Hauchdünne Linien, so zart von der Natur gemalt, dass so manches Auge seidenzarte Lebensadern wachsender Blätter übersehen hat. Doch die Hüterin der Blume sieht die Schönheit vom einzigartigen Schimmer. Er durchströmt ihren leichtfüßigen Körper und das ganze restliche Zimmer. Fließende Energie zarter Muster flüstert stillschweigend aus dem Gedächtnis der Natur. Sie überträgt das Wispern in leidenschaftlich schwingende Drehungen ihrer zarten Figur.  Das ist so oft passiert, dass sie sich in der wiederkehrenden Schönheit musterbedeckter Böden selbst verliert. Zart verzweigend wandern die Muster immer weiter durch den Raum, im musterbedeckten Boden findet sie ihre Füße kaum. Die weichen Linien verlieren sich in verschlungenen Verzweigungen und finden sich nach einigen unausgesprochen aufeinandertreffenden Verweigerungen.  

 

In den filigranen Linien umliegender Blätter ruht ein leiser Herzschlag, dessen Wispern von Wachstum und Vergänglichkeit erstrahlt. Sie sucht einen bestimmten Weg ohne Ziel, während sie in Gedanken verfiel. Sichtbare Schritte haben an Klarheit verloren, doch in der Zerrissenheit wurde eine neue Chance geboren. Die glänzenden Muster zieren den ganzen Raum, noch glaubt sie an ihre eigene Kraft kaum. Von Linien bedeckt, hat sich die Gemütlichkeit des schön eingerichteten Hauses unter Blättern versteckt. Die Blume erhellt, umringt von all den Mustern, den bewachsenen Wohnraum. In ihrer Präsenz vernimmt die Frau ihre eigenen Wünsche jedoch kaum. Zögernde Füße wollen unaufhörlich in Richtung der Türe nach draußen gehen, doch sie kann dem inneren Drang erneut widerstehen.   

Der Wunsch nach der weiten Welt ist plötzlich stark und unverstellt, obwohl etwas Unausgesprochenes sie an diesem Ort festhält. Sie versucht, die Sehnsucht nach Freiheit in ihren Tiefen zu vergraben, um nicht das Bedürfnis nach frischer Luft in den eingeschlossenen Wänden zu atmen. Ihr Wunsch kämpft mit dem selbst auferlegten Zwang, der auch in ihren Tänzen durch die langen Gänge des Hauses mitschwang.   

 

Ihre Füße beginnen, unruhig zu tanzen, dabei vergisst sie all die sonst so wichtigen Pflanzen. Einst schwebend leichte Bewegungen werden hektisch und schnell. Die leuchtend roten Adern wirken im ringenden Schwung weniger hell. Statt lockerleicht zu schweben, kann sich ihr zerrissener Körper nur noch zwischen den Schritten stockend hin und her bewegen. Hektische Schritte versuchen krampfhaft, dem Weg zur Tür zu entfliehen, bis sie merkt, wie ihr Tanz in die Freiheit trotzdem unaufhörlich weiterging. Schwerfällig atmete sie ein, dabei konnte sie gerade noch so unbeschwert sein. Kämpfend versucht sie, weitere Schritte zur Türe zu verhindern, doch die Sehnsucht kann trotz musterbedecktem Boden den Weg nach außen erklimmen. Der Drang nach warmen Sonnenstrahlen übernimmt das Bangen. In aufkeimender Freude fühlt sie sich nicht mehr gefangen. Sie spürt, wie der Kampf mit der Neugier schrittweise verschwindet und sie nicht mehr fest an das Haus bindet. Langsam schreitet ihr angespannter Körper zur Schwelle der Außenwelt, während die leuchtende Blume sie noch emotional im Raum festhält. In Gefühlen zerrissen, bleibt sie stehen, um den verschlossenen Weg nach draußen mit starrenden Blicken anzusehen.   

 

Ihre zierlichen Hände greifen nach der Türklinke. Sie spürt, wie aufregende Neugier ihr freudig zuwinkte. Fest umschließt sie mit ihren Fingern das Tor in eine neue Welt, während Zerrissenheit an alten Gewohnheiten festhält. Sie behält den Griff in ihrer Hand und die Hoffnung in ihrem Verstand. Der Mut verlässt sie nicht, weil die Sehnsucht nur selten die Leuchtkraft vergisst. Lächelnd sieht sie der Klinke beim Sinken nach unten zu. Es beginnen Sekunden, die gebettet in Sehnsucht warmer Sonnenstrahlen ruhen. Eine seit Jahren verschlossene Türe öffnet sich, dabei blendet die warme Sonne ihr lichtempfindliches Gesicht.  Wärme berührt ihre blasse Haut, während sie zum ersten Mal wirklich ihrer neuen Zuversicht vertraut. Zögernd tragen sie ihre Schritte entlang der neuen Zeit, während ihr Gemüt in ungewohnt freien Möglichkeiten verweilt. Die Freude übernimmt sichtbar ihr gesamtes Angesicht, während ihr Lächeln die Zurückhaltung der zögernden Gedanken vergisst.   

 

Ihre Hände breiten sich in der kaum vorstellbaren Weite einer hellen Landschaft aus, ihre freudigen Blicke gleiten ihrem langsam bewegenden Körper voraus. Die Anspannung löst sich in einem letzten Blick zurück, sie spürt das neugewonnene Glück. Ihre tanzenden Arme breiten sich immer weiter in unbeschwerter Leichtigkeit aus, dabei geht sie immer weiter geradeaus. Unaufhaltsam geht sie ein weiteres Stück und blickt nicht mehr zurück. Im Augenwinkel vernimmt sie einen robinfarbenen Schimmer, der um ihren Körper schleicht und immer weiter in die Landschaft reicht. Das Muster schmückt ihre zärtlich umschmeichelnde Haut, dabei wirkt es gewohnt vertraut. Der neue Weg wird immer mehr vom Scheinen der Muster erleuchtet, bis auch der letzte Zweifel entfleucht. Sie spürt, wie eine Klarheit Brücken bis ins Bewusstsein baut, somit wirkt auch die Fremde ein wenig vertraut. Glänzende Blütenranken zieren hauchzarte Linienmuster. Dabei begleitet sie ein naturgeformtes, kaum hörbares Geflüster. Die feinen Linien wandern immer weiter in die Welt hinaus, sodass die tanzende Frau keine Furcht vor Vergänglichkeit mehr braucht. Lächelnd sieht sie die weitverzweigten Blütenranken an, da ihr eine wichtige Einsicht gelang. Nicht die Blume war die Quelle der lebendig leuchtenden Ranken, deren Ausbreitung in den Weiten des Horizonts verschwand. Sie trägt ein kostbares Leuchten in sich, dessen Kraft sie in der Wahrnehmung vieler Sinne manchmal vergisst. Zufrieden geht sie immer weiter einen unbekannten Weg, immer gewiss, dass die leuchtende Kraft mit ihr durchs Leben geht. Sie hält ihr eigenes Glück in der Hand, während sie in der Ferne des Horizonts verschwand.  

 

Text © Deep-feeling / www.deep-feeling.de
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