Stürmische Leere 

Geschrieben am 10.05.2026

 

Eine Frau steht am Rand eines hölzernen Schiffs und zweifelt im Klang stürmischer Wellen an sich. Ihre traurigen Augen konnten schon viele freudige Momente rauben, doch als eine Welle am Bug bricht, hört sie ihr inneres Wimmern nicht. Abwesende Blicke versinken in wellenförmigen Höhen und Tiefen, während die ungezähmte Ruhe in ihr verweilt und sie dennoch nicht zur rettenden Schiffstür eilt. Alleine im Schatten des schwachen Laternenlichts muss sie sich selbst nicht begegnen und kann die stürmische Leere wählen. Ihre blassen Lippen lächeln, während in Hoffnungslosigkeit gehüllte Augen in den Tiefen der Lustlosigkeit gefangen sind. Sie sehen die Wellen regungslos an, verharren am Rand vom stürmischen Meer und sehen dabei die eigenen Bedürfnisse nicht mehr. Selbst das Meer scheint ihre Müdigkeit nicht mehr zu erreichen, während die Minuten immer weiter verstreichen. Viele Wellen sehen die Verzweiflung in der regungslosen Stille, die wie ein falsches Lächeln über der Kraftlosigkeit verharrt, da die Sehnsucht längst keinen Lebensfunken mehr getragen hat. Die Nacht ist sternenklar, nur sie und die klanglose Stimme der Sterne hoch am Himmel sind da. Ihr strahlendes Funkeln nährt trotz der Dunkelheit der Nacht ihren Schmerz, den nur ihr verborgenes Gefühl spürt, da selbst das Leuchten der Sterne sie emotional nicht berührt.  

 

Eine unscheinbare Laterne erhellt die Nacht im schillerhaften Schein, als läge in ihr selbst ein verborgenes, lebendiges Licht, das die Dunkelheit leicht durchbricht. Der sanfte Laternenschein umhüllt ihren leicht schwankenden Körper wie ein längst vergessenes Streicheln, das ihre kalte Haut berührt, während sie nur die Kälte der Nacht spürt. In den Weiten der Tiefe wird ihre Freude immer schwächer, und selbst der umhüllende Lichtschein in ihren abwesenden Blicken immer blasser. Hektisch erwachen ihre Augen aus der leeren Starre, die sie bis jetzt eingefangen hatte. Schnelle Augenschwünge versuchen rastlos, ein rettendes Ufer zu finden, während ihr Gemüt eine längst verdrängte Angst berührt und die Leichtigkeit in den voranschreitenden Schritten dennoch nicht spürt. Die Sehnsucht nach dem Leben war lange verdeckt und schien von der eigenen Furcht überdeckt. Unberechenbare Wellen schlagen unaufhörlich gegen das Schiff, als es endlich wieder in Bewegung ist. Diesem Weg zu vertrauen, fällt ihr schwer, wie eine Hürde, die sie bei jeder weiteren Welle vermeiden würde. Eine schweigende Einsamkeit begleitet ihre erwachenden Momente im schwankenden Schiffsbug. Die Annäherung an das Leben wiegt schwerer als jeder Selbstbetrug, der ihr einen kleinen Funken voll Klarheit schenkt und sie doch nicht in die Leichtigkeit der Lebendigkeit lenkt. Verzweifelte Augen schweifen noch immer über das unruhige Wasser, ihr weites, leicht wehendes Kleid wird dabei immer träger und nasser. Ein Gefühl der Leere sucht in den Weiten der Einsamkeit nach innerer Sicherheit, während Traurigkeit und Verzweiflung still und leise nach Liebe schreien. Immer wieder verlieren sich unruhige Blicke auf den wellenförmigen Furchen des Meeres, als suchten sie darin eine Antwort, die nur in ihr selbst ruht und doch im Unbewussten weitersucht.  

 

Die Zeit zerrinnt in ihren dünnen Fingern wie das Wasser im weiten Meer, denn dort berührt das Zeitgefühl den Klang der Bedeutung nicht mehr. Der klamme Stoff wird in der Kälte unerträglich schwer, als hätte die Zuversicht eine wiedergewonnene Klarheit plötzlich vergessen und schwankt zurück in das einst verharrende Unglück. Nasse Kälte hält die reflektierenden Schimmer gefangen und doch scheinen sie nicht verloren, während wellenförmige Gefühle der Klarheit nicht mehr gehorchen. Das wunderschöne Leuchten der Wassertropfen ist so greifbar nah und doch für ihre Augen unsichtbar. Lautes Donnert unterbricht die lange verharrende Aufmerksamkeit, es scheint, dass selbst der Himmel schon nach einer Veränderung schreit. Ein starker Sturm zieht auf, die immer stärker werdende Nässe zerrt mit schweren Tropfen die letzte Wärme aus ihrem Körper heraus. Sie versucht, die Kälte des stürmischen Wassers zu ergreifen, und kann die Oberfläche des Meeres mit ihren zaghaften Berührungen dennoch nicht erreichen. Das Boot wankt stark in stürmischen Windböen, die seine Regungslosigkeit mit starken Schwankungen verhöhnen. Frierend steht sie im nassen Regen und möchte zugleich mit niemandem darüber reden. Nur das Frieren erinnert sie daran, dass sie noch etwas anderes als Traurigkeit empfinden kann. Die ungezähmten Wellen faszinieren ihr unruhiges Gemüt, das in der Sehnsucht nach Freude schwelgt, während jeder aufkeimende Lichtschein in der Dunkelheit leise verwelkt. In diesem unruhigen Moment denkt sie daran, was das Leben wahrhaftig ausmachen kann. Beeindruckt von der Leichtigkeit des atmenden Meeres wird sie von Ehrfurcht ergriffen, ohne den Schmerz der Hoffnungslosigkeit zu empfinden. In sich kann sie ein Meer voller Tränen sehen und scheint zum ersten Mal ihre innere Verwundung in der nassen Kälte zu verstehen. Ein Lächeln huscht über ihre Lippen und scheint etwas längst Vergessenes zu berühren. Im unscheinbaren Moment beginnt sie, sich selbst wieder zu spüren.  

 

Die stürmischen Wellen wirbeln ihren Körper über das hölzerne Schiff, während in schwankenden Schritten das Gleichgewicht ihrer Füße fast zusammenbricht. Das Gleichgewicht halten fällt ihr sichtlich schwer, hinter verwirbelnden Haaren erkennt sie die Hand vor ihren Augen nicht mehr. Eine zitternde Hand lehnt suchend an der Schiffskabine an, während sie sich in langsamen Schritten über das Schiff bewegt und dem stürmischen Wind dennoch nicht entgeht. Das Leben um sie herum kann voller wirbelnder Turbulenzen sein, dennoch ist sie in den Wellen der Traurigkeit gefangen, egal wie oft sie versucht, sich selbst aufzufangen. Ziellos gleitet das Boot in den endlosen Weiten des unruhigen Wassers umher, das Ziel kennt es längst nicht mehr. Plötzlich überschreitet eine heranrollende Welle die hohe Bootsschwelle. Der wirbelnde Wind hat das Wasser in großen Schwüngen über die Reling getragen, ohne vorab um Erlaubnis zu fragen. In den unkontrollierten Wassermassen möchte sie nicht versinken, sondern wieder Halt auf dem schwankenden Holzboden finden. Wie nur kann sie dem Sturm entfliehen? Sie möchte sich in die Tiefen des Schiffsrumpfs zurückziehen, um den brechenden Wellen zu entkommen, und vermag zugleich nicht, vor ihnen zu fliehen. Es scheint, sie kann sich den reißenden Fluten nicht entziehen. Ein Boot kann auf der Wasseroberfläche schwimmen oder in den dunklen Tiefen des Meeres versinken. Ihre Hände halten einen schmalen Griff am Schiff fest, damit die nächste Welle sie nicht ins tiefe Meer zieht und sie dabei in die Weiten des Meeres hinabfließt. Ihre Hände lassen den Griff nicht los, obwohl ein starker Wind um sie herumtobt.  

 

Während sie sich festhält, erhellt ein schwankender Lichtstrahl unerwartet ihr Sichtfeld. Verwundert folgen ihre Blicke den sanften Bewegungen des wandernden Lichts. Es scheint hellwach, wie ein Lichtschleier in der dunkelsten Nacht. Eine Sekunde, flüchtig und winzig klein, kann eine bedeutende Veränderung sein. Manchmal glimmt sie lange im hellen Schein, bevor im verdunkelten Gefühl ein Hoffnungsschimmer keimt. Ihre eigenen Gedanken bringen die Aussichtslosigkeit vieler verlorener Momente ins Wanken, während vor ihren Augen die Lichtstrahlen der Laterne schwanken. Sie schließt für einen flüchtigen Moment ihre Augen, um dem Regen zu entgehen, und kann dabei die durchbrechende Morgensonne nicht sehen. Die dunkle Nacht verliert ihre düstere Kraft, während Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke brechen und lebendige Farben versprechen. In ihren lebendigen Gedanken kann sie sehen, wie verborgene Wünsche die hellen Wolkenbrüche umschmeicheln und im Morgenrot sanft ihre Gedanken streifen. Ein entferntes Land schimmert im roten Morgenlicht, doch zuerst glaubt sie der Sichtung des rettenden Ufers nicht. Als würde sie sich noch nicht ganz entscheiden, scheint ihre Furcht noch in ihrer Starre zu verweilen. Zuvor hat sie das so nahe Land nicht entdeckt, es hat sich inmitten der endlosen Wassermassen versteckt. Was eben noch Dunkelheit war, verliert sich im verschwommenen Schwellenlicht von Meer und Horizont, als hätte das Wasser die Erinnerung in sich aufgenommen. Plötzlich ist das Gleiten auf dem einst wilden Meer nicht mehr so dunkel und schwer. Die Neugier auf das Leben keimt durch die ersten Lichtstrahlen in ihrem betrübten Gemüt, zögerlich bewegen sich ihre Arme, als wollen sie die Helligkeit des Lichts umarmen. Das tiefe Wasser wird mit jedem gefahrenen Meter immer flacher, während die Freude in ihr spürbar erwacht und ein von Dunkelheit verdecktes  Glücksgefühl entfacht.  

 

Ihre Füße stoßen am harten Schiffsboden an, da sie gedankenversunken nicht auf ihre unbedeckten Füße achtet, während gebannte Blicke das gerade entdeckte Land betrachten. Ihre Füße stoßen am harten Schiffsboden an, da sie gedankenversunken nicht auf ihre unbedeckten Füße achtet, sondern mit gebannten Blicken das gerade entdeckte Land betrachtet. Ihr nasses Kleid tropft mit jedem Schritt auf den klammen Holzboden, während die kalte Haut ihr die neu gewonnene innere Wärme raubt, da sie ihrer Wahrnehmung noch immer nicht vertraut. Der wilde Sturm scheint vorübergegangen und doch ist ein Teil von ihr noch in der kalten Nässe gefangen. All die hohen Wellen wurden von der Schönheit malerischer Farben hinfortgetragen, denn die Bucht zeigt ihre volle Pracht vor ihrem überraschten Gesicht. Die Sonne lässt sich das Leuchten nicht nehmen, während das Morgenrot die Welt bedeckt, hat sich die Hoffnung nicht mehr länger versteckt.   

 

Jeden Morgen beginnt ein neuer Tag, egal, wie zermürbend der gestrige war, das Morgenrot ist zur frühen Stunde wieder sichtbar. Die frühe Röte des Tages ist mit ihren leuchtenden Farben wie eine Erinnerung an das Leben erwacht und hat in der schönsten Farbenpracht wie ein Gemälde des Himmels über den Morgen gewacht. Das Schiff stößt an der Sandbank an und sie weiß, dass sie das Ufer der Hoffnung jetzt betreten kann. Der Strand glitzert mit grün funkelndem Sand und zieht in Sonne getränkt ihre kalten Füße an. Freude durchströmt ihre lange erstarrte Haut, die wieder an die wärmende Nähe des lockerleichten Sands vertraut. In pulsierenden Schwüngen hasten ihre Beine den Holzboden entlang, bis sie endlich über den Schiffsbug springen kann. 

 

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