Wald der unendlichen Möglichkeiten

Vorwort: 

 

Der Text ist eine symbolische Reise durch das Unbewusstsein und all die unbewussten Gedanken und Gefühle, die uns täglich begleiten. Uns allen steht ein scheinbar unendlich großes Potenzial an Tiefe von Gefühlen und Emotionen zur Verfügung, von denen wir viel zu selten Kenntnis nehmen. In manchen Momenten in unserem Leben suchen wir nach uns selbst, weil wir uns verloren haben. Die Selbstfindung ist ein Prozess, in dem wir langsam, Schritt für Schritt immer mehr zu unseren eigenen Werten zurückfinden und uns mit den Tiefen der eigenen Natur verbinden. 


Wald der unendlichen Möglichkeiten:

 

Ihre Augen schließen sich, äußere Reize beeinflussen sie in diesen kostbaren Momenten nicht. Sie betritt einen kleinen Teil von einem besonderen Ort. Ihre Empfindungen tragen Sie von ihrem Bewusstsein ein klein wenig fort. Dort, wo ein Teil unterbewusster Gefühle in uns erwacht, wird eine ungeahnte neue Möglichkeit erschaffen. Ungelöste Gedanken kreisen in einer ruhenden Welt, in der das Unterbewusste uns gelegentlich Zugang zu echter Tiefe und wahrhaftiger Unendlichkeit des inneren Selbst schenkt. Dieser Ort wirkt vertraut und fremd zugleich, denn es ist der Wald ihrer eigenen, inneren Unendlichkeit. Dort befinden sich ihre eigenen inneren Wünsche, die sich tief mit ihren Sehnsüchten verbinden und so manches Mal das Bewusstsein an etwas hindern. Unverarbeitetes wird in den Bildern nicht verdrängt, sondern in diesem Moment ungeschönt dem Bewusstsein geschenkt. 

 

Eigentlich grüne Bäume mit einem grauen Schleier bedeckt haben sich zwischen der Lebendigkeit des Waldes versteckt. Statt saftig und grün wirken sie grau und matt, sodass so manche Pflanze keine Strahlkraft mehr hat. Nur ein paar Meter entfernt erblüht dagegen ein prächtiger Baum, er steht am selben Ort, man glaubt es kaum. Ihre Sinne erleben die volle Farbenpracht, die der Wald hervorgebracht hat.  Das Spiel von Schatten und Licht fasziniert sie sehr, ihre Beine wollen das Voranschreiten nicht mehr. Im Angesicht von so viel Schönheit hält sie einen Moment an, doch ihre unaufhaltsamen Gedanken schreiten immer weiter voran. Sie setzt sich auf einen Baumstumpf, der neben dem Kiesweg steht, während ihre neugierigen Augen einen bestimmten Bereich im Wald ansehen.

 

Der Waldboden ist mit Moos bedeckt, in den Tiefen der weichen Schicht haben sich viele Lebewesen versteckt.  Die Baumkronen sind dicht, dennoch durchdringt die Sonne den Schatten des Waldes mit ein paar Strahlen des hellen Sonnenlichts. Winzige Strahlen lassen dunkelgrünes Moos an einigen Stellen golden schimmern, der graue Schleier auf den Pflanzen kann das nicht verhindern. Der Schatten einiger Bäume verbindet sich mit dem sanft wehenden Wind, sodass ein Tanz selbst zarter Zweige auf dem kalten Waldboden zu bewundern ist. Das Lied der Natur kann mit vielen natürlichen Tönen begeistern.  Es wirkt beim Betrachten der friedlichen, sanften Astbewegungen in ihrer Wahrnehmung immer leiser. Alles ist friedlich, ruhig und dennoch voller Energie. Sie wünscht sich, der Moment vergeht nie. In manchen Bereichen kann sie jedoch sehen, wie die kraftvollen Farben immer mehr im grauen Schleier übergehen. Während sie den Ursprung des Ergrauens bislang nicht komplett versteht, kann sie nicht spüren, wie der Moment immer weiter vergeht. In Augenblicken der Flüchtigkeit spürt sie die Ruhe des Waldes, in der die fehlende Anwesenheit anderer Menschen an Bedeutung verliert, weil nur die Fülle ihrer unterbewussten Gefühle und Ängste existiert. Jeder Gedanke führt sie weiter zu ihrem eigentlichen Selbst, wobei sie dennoch den Fokus auf die umliegende Natur behält. Nachdenklich lässt sie die Blicke in die Ferne der zahlreichen Bäume schweifen, sie versucht noch immer, diesen grauen Schleier zu begreifen. Irritiert und neugierig zugleich sieht sie etwas Lebendiges in der Ferne durch die Wälder streifen.  Lange dachte sie, hier alleine zu sein, der Umriss dieser Person wirkt winzig. Das ist der Augenblick, in dem sie die Sorgen der Vergangenheit vergisst, weil die Neugier stärker als der zurückhaltende Gedanke geworden ist. Aus der Ferne kann sie sanften, flüssigen Bewegungen zusehen, während die Füße dieser Person plötzlich nicht mehr weitergehen. Erstaunt fragt sie sich, wer diese nahe und zugleich ferne Person wohl ist und merkt, dass sie durch die größer gewordene Neugier immer mehr ihre Ängste vergisst. Der Umriss umgibt eine unerwartet starke Farbenpracht, es scheint, dass der graue Schleier dort kaum eine Wirkung mehr hat. So bunt schimmern die Farben an vielen Stellen, während einige Pflanzen in Grautönen im Schatten des Waldes glimmern. 

 

 

Mutig beschließt sie, zu der mysteriösen Person hinüberzugehen, um sich die Wirkung der Farben genauer anzusehen. Ihr Körper erhebt sich, plötzlich bewegen auch ihre Beine sich. Während die Füße über das weiche Moos schreiten, kann die Aufmerksamkeit ihrer Sinne schneller hinübergleiten. Man kann im moosbedeckten Untergrund Fußspuren vergangener Schritte sehen, doch sie möchte lieber nach vorn anstatt zurückgehen. Als ihre Schritte sie näher zum Umriss tragen, wird sie ihre vergangene Vorsicht immer weiter hinterfragen. Nur ein paar Meter trennen sie noch, die Identität dieser Person erkennt sich dennoch. Ein kleines Mädchen sitzt auf einem von Blumen gesäumten Bereich. Sie sieht, wie das Mädchen mit einem farbigen Pinsel über eine vom grauen Schleier bedeckte Blume streicht. Es sind dieselben Bewegungen, die sie aus der Ferne beobachten konnte, während das Moos sich in den wenigen vorhandenen Sonnenstrahlen sonnte. Die Blumen sind nicht alle mit Farbe bedeckt, bei einigen hat der graue Schleier die optische Lebendigkeit versteckt. Wortlos sitzt das kleine Mädchen da, unbeirrt und scheinbar mit Worten unerreichbar. Viel wichtiger als Worte ist die Farbenpracht, die sie all den ergrauten Pflanzen zurückgebracht hat. Pinselstrich für Pinselstrich sieht sie, das Angesicht der Blume verändert sich. Einige Zeit schaut sie ihr beim Malen zu, da ändert sich die Blickrichtung des kleinen Mädchens im Nu. Lächelnd blicken ihre Augen sie an, ihre Bewegungen sind mit der Natur des Waldes im Einklang. Kleine Hände ergreifen etwas, das neben ihr liegt. Kurz danach stellen sie überrascht fest, dass sie es schwungvoll zu ihr hinüberschiebt. Überraschte Augen können die Bedeutung zuerst nicht sehen, dennoch kann sie die Geste verstehen. Ein Pinsel wird ihr von dem kleinen Mädchen entgegengestreckt, die bevorstehende Wirkung auf die eigenen Gefühle ist noch immer verdeckt. Sie flüstert leise „Auch in dir haben sich einige graue Blumen versteckt„. Während ihre Hand den Pinsel nimmt, spürt sie, wie ein seltsames Gefühl bis in ihr Bewusstsein dringt. Zuerst wagt sie keinen Blick auf sich, denn sie fürchtet den grauen Schleier in ihrem eigenen Angesicht. Das Mädchen spürt das Zögern schnell und zeigt ihre Beharrlichkeit durch ein Fingerzeigen auf den Körper der Frau visuell. Nun endlich wagt sie einen kurzen Blick auf sich selbst, die Sicht ist echt und unverstellt. Tatsächlich haben sich einige graue Schleier in ihr versteckt. Jetzt erst hat sie die Anwesenheit der ergrauten Blumen ihrer Seele entdeckt. Sie schwingt den Pinsel achtsam und mit Bedacht, bis eine ergraute Blume ihrer Seele wieder bunte Farben hat. 

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