
Zweifel an einer schönen Blütenpracht
Geschrieben am 20.09.2025
Vorwort:
In diesem Text geht es um Selbstzweifel und darum, wie unsere eigene Unsicherheit manchmal der eigentlich vorhandenen Fähigkeit zur Persönlichkeitsentwicklung im Weg steht. Die Blume kann in meinem Text die Verwandlung zur Pusteblume selbst nicht sehen, sondern sucht unaufhaltsam nach einem Weg, um zu ihrer vermeintlichen Bestimmung zu gelangen. Dabei merkt die Blume nicht, dass die Verwandlung bereits in ihr vorhanden ist. Die Blume steht sinnbildlich für einen Teil von uns, der mal mehr, mal weniger von der Unsicherheit und den Zweifeln beherrscht wird. Mit dem Wort „Schirmgleiter“ sind die vielen kleinen Samenkörner der Pusteblume gemeint.
Text Zweifel an einer schönen Blütenpracht:
Still und leise steht sie da, weiß nicht, warum die Verwandlung vom gelb blühenden Löwenzahn zur Pusteblume, mit ihr bislang nicht geschah. Zweifelnd sieht sie die Veränderung an sich nicht, dabei strahlt ihr Blütenkleid längst in einem neuen Angesicht. Viele andere Blumen verwandelten ihre schöne gelbe Blütenpracht, aus Ängsten ist jedoch der Selbstzweifel gemacht. Die Beständigkeit gleitender Vergänglichkeit erschafft eine Vielfalt von unterschiedlichem Leben, doch dafür muss man einen Teil von sich selbst herausgeben. Viele einzelne Schirmgleiter schweben in winzigen, kaum sichtbaren Einzelteilen durch die stürmische Luft, begleitet vom vielfältig verströmenden blumigen Sommerduft. Nur eine einzelne Blüte steht noch in ihrem gelben Blütenkleid inmitten einer grünen Wiese, während traurige Gedanken die verbliebene Hoffnung auf eine Verwandlung übergießen. Voll Wehmut sieht sie all den anderen Schirmgleitern nach, bemerkt dabei, dass sich bei ihr noch nichts verwandelt hat. Begleitet von zerfressenden Selbstzweifeln merken trübe Gedanken, was die schöne Blüte scheinbar bislang nicht schaffen kann. Angst und Selbstzweifel schwingen eng umschlungen im Takt des Einklangs. In ihren Sorgen ist der Glaube an Kraft tief in der Unsicherheit verborgen. Fehlende Selbstwahrnehmung verzerrt die Sicht auf etwas, das vielleicht längst geschehen ist. Zweifel verzerren langsam, schleichend und unbemerkt die Gabe, unbeschwert voranzuschreiten, da Gedanken nur um scheinbar fehlerbehaftete Eigenschaften des eigenen Daseins kreisen. Im einen Moment sich selbst greifbar nah, ein paar Augenblicke später schon nicht mehr da. Eine verschwommene Wahrnehmung schwankt zwischen dem eigenen Sein und einem überdeckenden Schleier des scheinbar nicht vorhandenen Daseins. Gefühle, gefangen zwischen dem Hoffen auf die eigenen Taten und der Angst, dabei zu versagen, haben sich tief in das Bewusstsein der Wahrnehmung gegraben.
Lebendige Emotionen werden schleichend unter lautlosem, stillen Hinnehmen kaum verändernder Tage versteckt, dabei hat die Hoffnung eine Spur zur Lebendigkeit längst entdeckt. Chancen vergehen, während unaufmerksame Augen kostbare Momente als solche weiterhin nicht einmal sehen. Wann wird die Lebendigkeit in viele Richtungen schweben? Darf sie irgendwann ein Teil von sich für etwas Neues geben? Wenn ihre kleinen Schirmgleiter in alle Richtungen fliegen, kann sie in ihrer Vorstellung über die eigenen Zweifel siegen. Nur so kann wahre Schönheit in voller Blüte gedeihen und ihrer wahren Bestimmung eine echte, greifbare Zukunft verleihen. Stagnierende Bedeutungslosigkeit hält in sich gefangene Gefühle der Befreiung bereit, während ein Teil nach Bestätigung von außen schreit. Starke Furcht beherrscht die Selbstsicherheit, wenn in Gedanken verwurzelter Selbstbetrug greifbare Wahrhaftigkeit von der Erkenntnis der Wirklichkeit entzweit. Die letzte Geste an eine große Welt besteht in der Hingabe der Farbenpracht, die verteilt am Boden neues Leben entfacht. Eine einst gelbe Blüte verkörpert die Ewigkeit der unaufhaltsamen Vergänglichkeit, wenngleich sich nur durch die von Eitelkeit befreite Selbstlosigkeit in der Zukunft neues Leben zeigt. Der natürliche Gang der Welt lässt uns spüren, dass durch kontinuierlichen Zerfall etwas Neues eine Chance erhält. Doch die Möglichkeit vergeht, wenn der Wunsch nach Wahrheit in der Unsicherheit des Zweifels verweht. Beständige innere Schönheit, frei von Besitz und dem Streben nach Geld, erhellt eine von Gier zerteilte Welt. Nur wenn Vergänglichkeit Blüten echter Erneuerung zeigt, hält das Leben viele neue Richtungen der Entwicklung bereit.
Viele graue Regenwolken ziehen am Horizont langsam, aber beständig in die Richtung der zarten Blüte. Im Sturm des lebensnotwendigen Regens zeigt sich des Wetters wahre Güte. Die Anspannung vor bevorstehenden Regentropfen zieht ihren zarten, weichen Stängel von oben nach unten entlang, da die Starre der Furcht über die Neugier vor Veränderung gewann. Doch die Angst vor der Lebendigkeit, geschenkt von anhaltendem Regen, wird in Momenten der beständigen Beharrlichkeit der Natur wieder gehen. Der grauer werdende Himmel zieht immer näher, doch das innere Gemüt wird im Anblick der dicken Wolken immer schwerer. Nach einigen Minuten ist es so weit, sie spürt, wie ein einzelner Regentropfen über ihre gelben Blütenblätter hinabstreicht. Aus einem Regentropfen werden zwei, doch die Zweifel an den eigenen Fähigkeiten halten noch Furcht vor dem Geschehen in ihrem Gemüt bereit. Die Regentropfen kümmert die Angst der Blume vor nassen Tropfen jedoch nicht. Unaufhaltsam zeigt der Regen sein wahres, nasses Gesicht. Viele Tropfen fließen unaufhaltsam vom grauen Himmel herab, während die Blüte in einer verkrampften Körperhaltung verharrt. Die Masse der vielen Tropfen sammelt sich, weil der Boden der großen Nässe mit der Zeit überdrüssig ist. Mit immer weiter fallenden Tropfen entsteht eine kleine Pfütze, die ein unbeschwertes Ausschweifen der Schirmgleiter nicht mehr unterstützte. Die wachsende Masse der Wasseransammlung wird durch unaufhörlich andauernden Regen geformt. Es scheint, die Wirklichkeit der Blume wird vom Schicksal der ausfliegenden eigenen Bestimmung verformt.
Verwirrt von all dem vielen Nass haben die Zweifel für einen kleinen Augenblick nicht an die Verweigerung des eigenen Anblicks gedacht. So haben selbst unaufmerksame Augen in Momenten des Zweifels einen Blick zur spiegelnden Wasseroberfläche vollbracht. In der Spiegelung der Wasserpfütze kann sie ihre Farben sehen und den unerwarteten Anblick von sich selbst doch nicht verstehen. Ihre gelben Blütenblätter sind bereits vergangen, die Schwere ihrer Selbstzweifel hat die Leichtigkeit der Schirmgleiter jedoch längst gefangen. Sie muss die Chance nur sehen, um die Möglichkeit, ihrer eigenen Vergänglichkeit selbst im Spiegelbild zu verstehen. Erschrocken vor der Wirkung des eigenen Verlustes richtet ihre Aufmerksamkeit sich wieder auf die Wiese, während sie zeitgleich die Verweigerung eines erneuten Blicks auf das eigene Spiegelbild beschließt. Die Angst vor dem Verlust der eigenen Identität wurde anstatt der Freiheit der vielfältigen Verbreitung ihrer Schirmgleiter gewählt.
Erschrocken sieht die Blüte an dem Blütenstängel nach, was mit ihr gerade geschah. Doch es ist noch alles da, traurig und zugleich wunderbar, dass die Auflösung ihres Selbst bis jetzt nicht geschah. Wer sich nicht genau betrachten möchte, öffnet die Blicke nur bei der dunkelsten Dunkelheit grauer Nächte, weil die Wahrheit einen Einfluss auf das Handeln hätte. Gerade war noch unbeschwerte Sonne in Sicht, verdunkeln in unerwarteten Augenblicken schleichende Schattierungen das vorhandene Tageslicht. In seltenen Momenten kann die Sonne durch die dicke graue Wolkenschicht schimmern, während Sonnenstrahlen wie sehnsüchtige Gedanken der Hoffnung hoch oben glimmern. Die Einheit ihres vollständigen Angesichts scheint im ungezügelten Sturm der Unvollkommenheit ewiger, anhaltender Windböen zu flimmern. Ihre Schirmgleiter schweben im selben Wind, der das Gewitter und die Regentropfen zur Blumenwiese bringt.
Ein einzelner ihrer Schirmgleiter schwebt tanzend durch den trüben, sich verdunkelnden Tag, während die Wahrnehmung der Blume sich noch immer nicht verändert hat. Er schwingt im Wind auf und ab, doch der Selbstbetrug rieselt immer weiter mit den Regentropfen auf die Blume herab. Während durch das Fortgeben eines Teils der einst ganzen Blütenpracht in der Ferne neues Leben wacht, hat die Blume erneut an die fehlende Verwandlung zur Pusteblume gedacht. Eine Entbehrung, spürbar schmerzhaft und dennoch notwendig zugleich, während die Zeit unaufhaltsam weiter verstreicht.
Vergänglichkeit und neues Leben wirken so verschieden, dennoch werden sie im Angesicht vergangener Zeit kontinuierlich ineinanderfließen. Traurig sieht die Blume unbewusst dem für immer verschwindenden Teil ihres Blütenblattes nach, wobei sie zeitgleich die Wahrhaftigkeit des Anblicks noch immer nicht anerkannt hat. Sie steht weiterhin da, wohl wissend, dass nur mithilfe des aufkommenden, forttragenden Windes ein kleines Samenkorn zu seiner Bestimmung schwingt. Viele Schirmgleiter fliegen in unterschiedliche Richtungen einer ungewissen Welt hinaus, die Wirkung sieht keines von ihnen dabei voraus. Durch die Wiederkehr keimenden Lebens überwindet es die Vergänglichkeit der zweifelnden Beständigkeit. Das ist der Weg, wie aus einer einzelnen Blume viele neue entstehen. Wurm, nur können wir trotzdem manchmal bloß den Zweifel in den Chancen des Lebens sehen? Sieht man genau hin, merkt man, wie kostbar diese kleinen Schirmgleiter sind, weil durch sie die Hoffnung auf Erneuerung niemals in den nassen Regentropfen verrinnt. Leichtigkeit wird zur schwebenden Freiheit, eigentlich eintönig wirkender Gleichheit. Es wird etwas Neues erschaffen, während die Strahlkraft der gelben Blütenblätter immer weiter verblasst.
