
Zwischen Schwung und Schweigen
Geschrieben am 15.02.2026
Sie betritt den mit Menschen gefüllten Raum, doch die vielen tanzenden Schwünge überblickt sie im Abendschein kaum. Vor Leichtigkeit schwelgen die Beine in freudiger Eleganz, denn sie wiegen im Spiel zwischen Nähe und Distanz. Töne hauchen Freude in die angenehm warme Luft, dabei verschwimmen viele Duftnoten zu einem sinnlichen Duft. Federleichte Geborgenheit wird von der Nähe wärmender Begegnungen getragen, ohne die Vernunft zu hinterfragen. Ihre Hände erheben sich lebendig schwingend in die Luft, dabei vergeht Ärger in sinnlicher Lebenslust. Es scheint, als wolle sie den Himmel anfassen, ohne durch die schnelllebige Welt mit langsamen Füßen zu hasten. Jede Regung begleitet einen pochenden Herzschlag, der nicht nach Klarheit von Möglichkeiten fragt, sondern im Gleichschwung Freiheit zu spüren vermag. Inmitten einer Fülle antanzender Menschen bewegt sie sich schwebend leicht, bis ihr Blick plötzlich zur Seite schweift und dabei einen Mann am Rand vom Raum streift. Seine Augen fixieren starr einige einzelne Punkte im großen Raum. Dabei bemerkt er berührende Gesten im vom Schweigen gehüllten Körper kaum.
Er hält einen Stift in der Hand und steht währenddessen gedankenversunken am Rand, direkt neben der kalten Wand. Mit unzählbaren Schwüngen zeichnet er ein eigenes Bild seiner Welt, die ihn im Schweigen festhält. Sichtbar ist sie nur für seinen kreativen Geist, während er eine Zeit in seinen kunstvollen Ideen gedankenversunken verweilt. Sie bleibt fasziniert neben ihm stehen, denn sie kann die überschwemmende Fülle des Ideenflusses in seinen Augen sehen. Funken warm leuchtender Inspiration tragen einen schöpferischen Augenblick, der sich unscheinbar am Rand vom Tanzraum versteckt. Um ihn herum bewegen sich viele Menschen, die rhythmisch zur Musik tanzen, während seine Hände eine keimende Idee in ein Gemälde verwandeln. Die Frau bleibt neben dem Mann stehen, denn ihre Blicke müssen wiederkehrend auf das gezeichnete Bild mit kunstvollen Zeichnungen sehen. Immer wieder wendet sie die Blicke ab und wird doch von neuen Blicken hinüber ertappt. Im leicht glimmenden Lichtschein keimt ein Dämmermoment, in dem sie ihm ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt, während er jeden Strich sanft mit seinen Fingern über das Blatt lenkt. Um beide schwebt ein fast magisches Lebensfragment, in dem lockerleichte Pinselschwünge ihr ein gespiegeltes Echo schenken. Geschmückt in der stumm verweilenden Zeit sind sie gestaltungsvoll im Geist miteinander vereint. Was sie stillschweigend betrachtet, blickt lebendig zu ihr zurück, denn sie findet in ihm ein Spiegelbild voller Glück. Anmutige Schönheit hat ihre Neugier angelockt, doch sie spürt, dass der Moment im Verharren der Zeit stockt.
Jede Berührung von Pinsel und Papier sucht ihr Gleichgewicht, während sie sich im Moment der geistigen Hingabe vergisst. Das Vergangene verschiebt das Geschehene nicht, wenn eine Stimme kaum hörbar zu einem spricht. Im schweigenden Echo starrer Gleichgültigkeit sieht er ihr Gesicht im Nachhall des menschengefüllten Raums nicht, weil etwas Unnahbares aus ihm herausbricht. Sie sieht ihm noch eine Weile beim Malen zu, doch der Abend zerrinnt unaufhaltsam schnell, plötzlich wirkt seine Gegenwart nicht mehr so strahlend hell. Die leuchtenden Farben verblassen, denn er kann die Starre nicht mehr verlassen. Er trägt seine Haut wie ein dünnes Glas, das bei Berührungen jederzeit zerbrechen kann. Es vergeht ein langer stummer Dialog reiner Kreativität, jenseits der sichtbaren Realität. Sie kann nicht ewig an diesem Ort stehen, ohne sein Lachen zu sehen, sondern muss weiter ihren Weg gehen. Liebevoll lächelt sie ihn an, bevor der letzte Versuch in den Tonwellen der klingenden Musik verschwand. Sie muss gehen und wird ihn wahrscheinlich nie wiedersehen. Sie begegnen sich im selben Raum, doch er sieht sie im Schatten der Möglichkeiten kaum, seine Worte bleiben ein unerfüllbarer Traum. Der Ort schenkt ihnen eine geteilte Präsenz, die an seiner Existenz gezielt vorbeilenkt. Was ist Realität, wenn jeder sie selbst wählt?
Text © Deep-feeling / www.deep-feeling.de
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